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Hülsenberger Zuchtschweine


 
Hülsenberger Zuchtstrategien

Qualität und Wirtschaftlichkeit für den Zukunftsmarkt

Die Zucht des Hülsenberger Zuchtschweines orientiert sich an den speziellen Marktanforderungen. Dabei steht die Gesamtwirtschaftlichkeit für Ferkelerzeuger und Mäster im Vordergrund. Fruchtbarkeit, Nutzungsdauer, Mastleistung, Schlachtkörperwert und Fleischbeschaffenheit bestimmen den Zuchterfolg.

Ziel der Zuchtarbeit ist es letztlich, den Transfer des in der Zuchtstufe erzielten Selektionserfolges in die Produktionsstufe an Ferkelerzeuger und Mäster weiterzugeben. Entscheidend dabei ist die Anwendung des notwendigen züchterischen Instrumentariums zur Verbesserung der Gesamtrentabilität. Dazu gehören auch Auswahl der Linienkombination zur Ausnutzung der speziellen Kombinationseignung, die Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung.

Zuchtschema für die Ausnutzung von Kreuzungseffekten

Die Erzeugung der F1-Sau zielt auf eine hohe Ausnutzung der vorhandenen Liniendifferenzen (z.B. Robustheit, Bauchqualität, intramuskulärer Fettgehalt, Fleischanteil). Gleichzeitig sind spezielle Kreuzungseffekte, insbesondere bei Merkmalen der Fruchtbarkeit, von großer Bedeutung. Die Anpaarung basiert deshalb auf der Kreuzung von Duroc x Deutsche Landrasse, beziehungsweise der Kreuzung der in Hülsenberg entwickelten weißen Mutterlinie Euroc mit der Deutschen Landrasse.

Die Linie Euroc wurde aus den Durocs entwickelt, um den Marktanforderungen nach weißen Schweinen zu entsprechen. Das Ziel dieser Linie ist vor allem die weiße Farbkennzeichnung der Ferkel in Anpaarung an Hülsenberger Endprodukteber und Beibehaltung der wünschenswerten Eigenschaften der Duroc-Linie. Somit stehen dem Ferkelerzeuger zwei bewährte Hybridsauenlinien zur Verfügung.

Auf der Vaterseite werden zur Produktion marktgerechter Endprodukte Reinzuchttiere der Rassen Pietrain und Belgische Landrasse eingesetzt. Die Endprodukteber des Hülsenberger Zuchtprogrammes werden speziell im Hinblick auf das Leistungsniveau der Kreuzungssauen selektiert (Fleischanteil und Zuwachs). So ergibt die Kreuzung von Vater- und Mutterlinien optimale Mastendprodukte, die nur eine geringe Streuung zeigen. Zur Belieferung von Markenfleischprogrammen sind stressstabile Eber (MHS NP) vorhanden.

Leistungen der Mutter- und Vaterlinien aus der Leistungsprüfanstalt Achterwehr, 1.Halbjahr 2000


Landrasse Duroc Euroc Piétrain
Mutterlinien Mutterlinien Mutterlinien Vaterlinien
Tageszunahme 1021 862 907 771
Futterverwertung 2,54 2,64 2,72 2,55
Fleischant. Bonner F. 57,9 59,2 57,9 64,2
ph1-Wert 6,44 6,48 6,47 5,93


Leistungsprüfung

Die exakte Durchführung der Leistungsprüfung liefert die Basis für die Zuchtwertschätzung und Selektion.

Das Hülsenberger Schema der Leistungsprüfung in der Basiszucht sieht neben der Eigenleistungs- die Geschwisterprüfung in einer neutralen Prüfstation vor.

Die Eigenleistungsprüfung ist in allen Basiszuchtbetrieben zeitlich fixiert. Die altersbezogene Prüfung hat den Vorteil, dass bei einem konstanten Alter und einem über die Jahre kontinuierlich gestiegenem Leistungsniveau konsequent gegen Fundamentschwächen selektiert wird. Gleichzeitig verzichtet das Hülsenberger Zuchtprogramm bewusst auf die Einzeltierprüfung. Die Prüfung der männlichen und weiblichen Tiere erfolgt analog den Praxisbedingungen in Gruppen, so dass Rangverschiebungen zwischen Ebern in verschiedenen Umwelten minimiert werden. Im Rahmen der Eigenleistungsprüfung werden als Merkmale die Lebenstagszunahme, die Rückenspeckdicke sowie der CK-Wert als Kriterium für die Stress-Stabilität erfasst. Außerdem werden neue Merkmale wie die lineare Beurteilung der Fundamente bearbeitet. Bei den zur Zucht vorgesehenen männlichen Tieren kommt der MHS-Gentest hinzu.

Bei der Beurteilung der Reproduktionsleistung der Mutterlinien finden die lebend geborenen Ferkel Berücksichtigung. Um ein Kriterium für die Aufzuchtverluste zu erhalten, das möglichst frei von Betriebseinflüssen ist, wird derzeitig das Merkmal Geburtsgewicht in das Selektionsschema aufgenommen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass die Erhöhung der Geburtsgewichte sich direkt auf eine Senkung der Aufzuchtverluste auswirkt.

Schlachtkörper und Fleischbeschaffenheit

Die Geschwisterprüfung findet in der Leistungsprüfungsanstalt Achterwehr der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein statt und dient in erster Linie der Bewertung des Schlachtkörperwertes und der Fleischbeschaffenheit. In Darstellung 1 ist das hohe Leistungsniveau der verschiedenen Linien dokumentiert. Bemerkenswert ist das hohe Wachstumspotential. Bei der Landrasse wird seit 1998 ein Zuwachsniveau von über 1000g/Tag im Prüfungsabschnitt 30-110 kg gehalten.

Für die effektive Zuchtarbeit in der Basiszucht ist die Nutzung von Daten aus der Vermehrungszucht immer wichtiger. Hier fallen die Informationen mit einer höheren Dichte an (z.B. Anomalienprüfung) und demzufolge werden Selektionsentscheidungen frühzeitiger möglich. Die Datengrundlage der Vermehrungsbetriebe bildet die Voraussetzung der Zuchtwertschätzung für die Nutzungsdauer. Deshalb wurde in der Vermehrungsstufe der Hülsenberger Zuchtpyramide ein einheitliches Datenerfassungssystem installiert.

Um gesicherte Informationen über die Fruchtbarkeit der Kreuzungssauen und die Mast- und Schlachtleistung der Endprodukte zu erhalten, testen ausgewählte Betriebe die verschiedenen Kreuzungskombinationen unter Feldbedingungen.

Auch Nettolebenstagszunahme und Muskelfleischanteil werden erfasst. Diese Merkmale sind für die Bewertung der Kreuzungssauen und Endprodukteber von Bedeutung. Darstellung 2 gibt Auskunft über den Leistungsstand in den Testbetrieben.

Ergebnisse aus Testbetrieben, 1999


Lebend geb. Ferkel 10,4
Aufgezogene Ferkel 9,8
Nettolebenstagszunahme, g 468
Muskelfleischanteil FOM, % 57,5
Speckmaß, mm 15,2
Fleischmaß, mm 63,7


Zuchtwertschätzung

Für die Gesamtauswertung der Leistungsprüfung sind komplexe Zuchtwertschätzverfahren erforderlich. Für die Reproduktions- und Produktionsmerkmale im Hülsenberger Zuchtprogramm wird das sogenannte BLUP-Verfahren (Beste Lineare Unverzerrte Prognose) angewendet, nach wissenschaftlicher Kenntnis die derzeit beste Methode zur Ermittlung der Zuchtwerte. Voraussetzung ist eine intensive genetische Verknüpfung der einzelnen Betriebe. Dies wird durch eine hohe Besamungsdichte ermöglicht. In der Basiszucht des Hülsenberger Zuchtprogrammes liegt der KB-Anteil bei 100%, in den Vermehrungsbetrieben bei ca. 70% mit steigender Tendenz.

Die Rentabilität der Sauenhaltung hängt entscheidend von der Nutzungsdauer ab. Deshalb wurde die Zuchtwertschätzung für das Merkmal Nutzungsdauer in das Hülsenberger Zuchtprogramm implementiert.

Alle Teilzuchtwerte (Zuchtwertmerkmale) bilden den Gesamtzuchtwert. Dieser Gesamtzuchtwert liefert mit dem Zuchtwert für Nutzungsdauer und den linear beurteilten Exterieurmerkmalen, für die auch mit Hilfe des BLUP-Verfahrens Zuchtwerte geschätzt werden, die Grundlage für die Selektionsentscheidung.

Transfer des Zuchtfortschrittes

Ein rascher Transfer des Zuchtfortschrittes von der Basiszucht auf die nachgelagerten Stufen der Zuchtpyramide ist die Grundvoraussetzung dafür, dass die Vermehrer, Ferkelerzeuger und Mäster einen maximalen Nutzen aus dem in der Basiszucht realisierten Selektionserfolg ziehen. Kennzeichnend für die Hülsenberger Zuchtpyramide ist der Verzicht auf eine Reinzuchtzwischenvermehrung, d.h. der Zuchtfortschritt wird direkt von der Basiszucht (Sauen, KB) über den Vermehrer (Erstellung der Kreuzungssau) auf den Ferkelerzeuger und Mäster übertragen. So tritt kein Zeitverzug auf und die Gefahr von genetischem "Schlupf" wird vermieden.

Ferkelerzeuger und Mäster benötigen für eine rentable Schweineproduktion ein Tiermaterial, das den Marktanforderungen voll entspricht. Mit modernen Forschungsmethoden und praxisorientiertem Know-how entwickelt Hülsenberg kontinuierlich zukunftsorientierte Zuchtstrategien. Hauptziele sind Gesamtwirtschaftlichkeit und Qualität der Hülsenberger Zuchtschweine.

Dr. Ulrich Presuhn

Noch mehr Informationen zum Hülsenberger Zuchtschwein bei:

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